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Dienstag, Januar 10

Auf dem Weg zur Wahrheit


Meine Suche nach der Wahrheit begann vor ca. 6 Jahren. Anfangs eher zaghaft, danach immer deutlicher zeigte sich ein Wunsch, herauszufinden, was Realität ist. So begann ich, viele Bücher der grossen Religionen und Philosophen zu lesen, danach folgte spirituelle Literatur und Bücher über Chemie, Physik und Quantenphysik. Gleichzeitig begann ich zu meditieren, um so mein eigenes Bewusstsein zu erforschen. Rückblickend erkenne ich darin fast eine Art Besessenheit mit der Frage: Was ist Wahrheit? 


Nach einiger spiritueller Lektüre schien mir klar zu sein, dass der einzige Weg zur Wahrheit die Erleuchtung wäre. Ich hatte tiefe Erlebnisse in den ausgiebigen Meditationen. Es erwachte etwas in mir, aber je mehr es das tat, desto lauter wurden meine Zweifel. Eine Weile war ich orientierungslos, versuchte wieder "normal" zu leben, jedoch vergebens, zu stark brannte noch immer die Suche in mir. Während dieser Zeit änderte und verfeinerte sich meine persönliche Wahrheit ständig. Gab es am Anfang noch einen missionarischen Eifer, der andere Menschen überzeugen wollte, verschwand dieses Bedürfnis zunehmend mit der Erkenntnis, das meine Wahrheit immer nur eine relative war, ein aktueller Stand meines Irrtums, den es sich nicht lohnte, anderen aufzudrängen. Ich wusste, dass ich eigentlich nichts wusste. Und das, was sich wahr anfühlte, war ganz bei mir, so dass ich keinen Anlass sah, darüber zu debattieren.
Aber trotzdem: Tief in mir hatte sich eine Vorstellung gehalten, dass es sie doch gibt, die absolute Wahrheit. Es musste sie geben! Schliesslich musste das Universum ja auf irgendeine Art funktionieren und irgendwann, würde ich wissen wie.

Je mehr meine Obsession mit Konzepten verschwand, je mehr sich mein Seins-Zentrum vom Kopf in das Herz verschob, desto mehr dämmerte ein Erkennen, das von tiefen mystischen Erlebnissen begleitet war: Es gibt gar keine absolute Wahrheit, die sich erfassen liesse. Sie ist eine Illusion des Verstandes. Für mich war diese Erkenntnis schwer zu verdauen: Dass ich es nie wissen werde. Dass die eine absolute Wahrheit, nach der ich so viele Jahre gesucht hatte, nicht zu erfassen ist. Dass es für den Verstand immer nur relative, persönliche Wahrheiten gibt. Mein Verstand bestand darauf: Aber irgendwie muss es doch sein!
Man kann sich in endlose Diskussionen verstricken, sogar mit sich selbst. Für den Verstand ist die Vorstellung, dass es keine absolute Wahrheit gibt, fast ein kleiner Selbstmord. Er kann es nicht begreifen. Vielleicht mag es ihn besänftigen, festzustellen, dass die absolute Wahrheit, sobald sie von einem Wesen wahrgenommen wird, bereits verzerrt wurde und relative Wahrheit geworden ist. Dass eine Seele auch immer eine bestimmte Perspektive auf das Ganze darstellt. Das absolute Wahrheit allein das sein kann, was Buddha Nirvana einst nannte: das Erlöschen. Darüber gibt es tatsächlich nichts zu erzählen. Es gibt eine natürliche Anhaftung an den gegenwärtigen Stand des Irrtums: Der Verstand kann wohl begreifen, dass die Wahrheit des letzten Jahres für ihn heute nicht mehr gilt. Das hindert ihn letztendlich nicht, daran zu glauben, die Wahrheit von heute hätte trotzdem absolute Gültigkeit. Es ist fast ein wenig komisch.

Sind manche Wahrheiten nun wahrer als andere? Man kann darüber debattieren, aber es geht nicht darum, wer Recht hat. Die eigentliche Erkenntnis ist, dass die Frage nicht lautet: Was ist Wahrheit? Sondern: Was ist meine Wahrheit, meine eigene, ganz persönliche Wahrheit? Der Unterschied mag nicht gleich offensichtlich sein, aber er ist immens. Wenn wir die Suche nach "der" Wahrheit aufgeben, befreit uns das von der Notwendigkeit, mit anderen Menschen einer Meinung zu sein. Wir entspannen uns damit, in verschiedenen Wahrheiten zu leben, die sich nicht durch einen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit gegenseitig bedrohen. Alle Wahrheiten sind nur relative Wahrheiten, nur Perspektiven auf ein Meer aus Schwingungen. Es wird ausserdem unmöglich für einen anderen, mir "die Wahrheit" zu enthüllen oder im Besitz dieser Wahrheit zu sein. Es befreit mich von der Frage, ob das, was ich fühle auch wirklich wahr ist (= die absolute Wahrheit ist), es stellt sich vielmehr die Frage: "Ist das wirklich wahr für mich?"

Andere Menschen und Meinungen können mir als Spiegel dienen, zu einer "höheren Version" meiner eigenen Wahrheit zu gelangen - einer Wahrheit, die mir als Wesen einen vollständigeren, authentischeren Ausdruck erlaubt. Aber weder gebe ich meine Wahrheit auf, um die eines anderen zu übernehmen, noch versuche ich, jemanden von meiner Wahrheit zu überzeugen. Es geht mir nur noch um die Evolution meiner eigenen Wahrheit, und darum, diese im Sprechen, Handeln und Sein auf die bestmögliche Weise auszudrücken.
Für mich scheint es möglich, meine Wahrheit zu fühlen (wohlbemerkt nicht die Wahrheit). Es ist auch möglich, Graubereiche zu spüren, Bereiche, in denen sich Fragen zeigen. Authentische Fragen, die nicht intellektueller Natur sind, sondern sich aus dem Sein ergeben, die aus unserer Tiefe auftauchen, während wir unsere Wahrheit in der Welt leben. 

Meine Suche nach Wahrheit hat nicht aufgehört, aber sie hat sich geändert. Sie ist bei mir angekommen, als meine Wahrheit, die ich in mir fühle, die sich in mir entwickelt. Sie ist flüssig und leicht geworden. Und wenn ich versuche sie in Worte zu kleiden, weiss ich wohl, dass sie hinauswachsen wird. Ich erlaube es ihr, Reisende soll man nicht aufhalten.


Diesen Post widme ich Knox. Danke, dass du mich auf der Suche nach der Wahrheit stets begleitet hast!

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